Die Geschichten unserer Kinder

Giorgio

Giorgio ist fünfzehn und hat einen Königsnamen. Wie ein König mit Selbstachtung hat er seit jeher das Charisma eines Mitreissers: Es ist unmöglich, ihm zu widerstehen, die Tür zu seiner Welt ist immer offen und wehe denen, die auf der Schwelle bleiben ohne einzutreten und von seiner Begeisterung und Lebendigkeit überwältigt zu werden.

Giorgios Eltern, die schon immer von der Noblesse ihres Kindes verzaubert waren, erkannten bald, dass in Giorgios schöner Welt die Zeit langsamer verging. Giorgio war langsamer als die Gleichaltrigen und zeigte trotz der Bemühungen, ihn zu fördern, eine leichte kognitive Verzögerung. Genau wie George VI. hat auch er nie eine echte Rede gehalten, aber er hat seine Bedürfnisse immer auf beredte Weise zum Ausdruck gebracht, mit kleinen Worten, Gesten und unverwechselbaren Blicken.

Giorgio hat immer alle erobert, weshalb er als „Giorgio the Conqueror“ bekannt ist. Anstelle von Schwertern, Schilden oder Gewehren verwendet Giorgio die Waffen des Mitgefühls, der Sanftheit und Fröhlichkeit uns erhält somit sogar Gefälligkeiten seitens der älteren Kinder. In seinem siebten Altersjahr begannen seine Fähigkeiten nachzulassen und nach einigen Untersuchungen wurde leider diese Diagnose gestellt: Mukopolysaccharidose Typ 3A. Keine Heilungsmöglichkeiten, keine Aussichten auf Besserung, nur ein vorgezeichnetes Schicksal und eine zerbrochene Familie. Wer ein solches Urteil erhält, dem friert sich das Leben ein und der Wille zu kämpfen wird kleiner, selbst für einen tapferen König wie Giorgio.

Giorgio hat jedoch etwas sehr Mächtiges auf seiner Seite, das selbst dem härtesten Kampf standhalten kann: Er wird von seinen Eltern geliebt, ganz verrückt und stark geliebt. Und nur die Liebe zu einem Kind kann die Kraft und den Willen wiederherstellen, erneut zu kämpfen, jeden Tag, ohne Zeitverschwendung, denn Giorgio ist ein König, aber er ist auch ein Kind mit Sanfilippo und für die Kinder mit Sanfilippo ist jeder Tag kostbar. Der einzige Luxus, den sich ein König wie Giorgio nicht leisten kann, besteht darin, die Möglichkeit, glücklich zu sein, auf morgen zu verschieben. Giorgio ist jetzt fünfzehn Jahre alt und obwohl seine Schwierigkeiten zunehmen, ist er immer noch ein großer Eroberer der Liebe.